Spiritueller Impuls

21. Februar 2020 | Spiritueller Impuls

Masken

Masken tragen wir nicht nur zu Karneval.
Auch im Alltag spielen wir Rollen, die uns zugeschrieben werden, entsprechen wir Bildern, die andere von uns haben, erfüllen wir Erwartungen – nicht zuletzt die, die wir an uns selber richten.
Immer gut gelaunt sein, das kann so eine Maske sein. Oder immer stark zu sein. Oder immer für alles Verständnis zu haben. Oder perfekt zu sein. Oder immer alles anzweifeln zu müssen. Oder …
Masken gehören zu unserem Leben dazu. Sie machen uns das Leben oft leichter. Wir wissen, woran wir sind.
Aber es gibt auch die Sehnsucht, die Maske abzulegen, mein wahres Gesicht zeigen zu können, nur ich selber sein zu dürfen.
Dafür brauche ich jemanden, dem ich vertraue, von dem ich weiß, dass er mich so sein lässt und so annimmt wie ich bin. Bei dem ich nicht so tun muss als ob, bei dem ich mich fallen lassen kann.
Das zu erleben, ist ein wunderbares Geschenk.
Seit vielen Jahren begleitet mich ein Gedicht von Huub Oosterhuis, das von diesem wunderbaren Geschenk handelt. Kennengelernt habe ich es als Liebesgedicht. Es ist aber auch ein Gebet.

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
Wer mich entlarvt hat, wird mich finden.
Ich hab’ Gesichter mehr als zwei,
Augen, die tasten vor im Blinden,
Herzen aus Angst, die vor Angst vergehn.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
Wer sich entlarvt sieht, wird gefunden
und wird ganz neu sich selbst verstehn,
wird leben, offen, unumwunden,
und nirgendshin verloren gehen.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.

Diakon Hermann Opgen-Rhein

Diakon Hermann Opgen-Rhein