Spiritueller Impuls

08. Juni 2018 | Spiritueller Impuls

Entscheidungen

Während die Erstkommunion nach wie vor „groß“ gefeiert wird, bekommt die Firmung eher wenig Aufmerksamkeit. Ich selbst wurde bereits mit 12 Jahren gefirmt, an einem Mittwochabend zusammen mit mehreren Jahrgängen, und das Geschenk, an das ich mich erinnern kann, war ein lateinisches Wörterbuch: Nicht unbedingt der „Bringer“. Eine Vorbereitung gab es nicht, vielleicht im Religionsunterricht, aber das habe ich vergessen, denn wer im Religionsunterricht mitmachte, war selbst schuld, weil er vieles andere verpasste, was während des Unterrichts „lief“ – und der Religionslehrer, der etwas weltfremde Kaplan der Propsteikirche, stand dem Treiben ziemlich hilflos gegenüber.

Im vielen Gemeinden wurden seitdem das Firmalter heraufgesetzt wurde (über die Sinnhaftigkeit kann man streiten), die Vorbereitung wurde intensiviert, oft mit mäßigem Erfolg. Jugendliche können  sehr hartnäckig schweigen (okay, das Gegenteil allerdings auch). „Entscheidung“ wurde das Stichwort, Entscheidung für den Glauben, durchaus ambitioniert, aber ziemlich an der Lebenswirklichkeit Jugendlicher vorbei, die nichts so gründlich vergessen haben wie die Kommunionvorbereitung und vom Glauben fast immer nur bruchstückhafte Kenntnisse haben.

Dennoch ist das Stichwort „Entscheidung“ seit vielen Jahren ein immer zentraler werdender Bestandteil des Glaubens. Längst sind die früher üblichen Säulen des Glaubens, Gewohnheit und Tradition, weggebrochen (ob und was sie tatsächlich getragen haben, wäre noch einmal gründlich zu diskutieren), Entscheidungen in den vielen kleinen und großen Dingen des Lebens, die „im Licht des Glaubens“ betrachtet eine neue Bedeutung bekommen. Das beginnt bei dem Kauf fair gehandelter Produkte (nein, die Ausrede, der Kaffee schmeckt nicht so gut, zieht nicht mehr), das führt weiter über das generelle Konsumverhalten und den zwischenmenschlichen Bereich bis hin zu den Zeiten des Tages und der Woche, die ich mir für die Vertiefung des Glaubens und für die Verbundenheit mit Gott nehme, alles kleine und manchmal auch große Entscheidungen. Von daher ist Firmung, „Bestätigung“, längst ein lebensbegleitender Prozess und schon gar nicht auf den Kirchenraum zu begrenzen.

Clemens Kreiss

 

 

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