Spiritueller Impuls

13. Dezember 2019 | Spiritueller Impuls

Adventliches Zwiegespräch mit mir selber

Eigentlich ist der Advent „Fastenzeit“ und eigentlich ist es eine gesunde Einrichtung, vor den großen Festtagen eine solche kalorienreduzierte Zeit einzuschalten. Fasten, damit ich dann auch körperlich bereit für das Festmahl an den Weihnachtstagen bin und die Sinne wieder Hunger haben auf die vielfältigen Eindrücke, die eine schöne Feier mit sich bringt.
Finde ich gut, aber praktisch ist das für mich nicht so ganz einfach durchzuhalten, bei den vielen Vorfeiern und den lockenden kulinarischen Angeboten.
Auch äußerlich kann die Vorbereitung deutlich werden, indem die Wohnung vor dem großen Fest entrümpeln und gesäubert wird, um sie dann liebevoll und festlich zu schmücken.
Ist absolut notwendig und es tut ja auch gut – so eine richtige Hausputzaktion. Das kann sogar Spaß machen. Aber irgendwie bekomme ich das in den letzten Jahren nicht mehr ohne Druck und Stress hin und das ist wiederum völlig kontraproduktiv.
Der Sinn des Festes wird symbolisch durch die Geschenke ausgedrückt, die wir in der Adventszeit liebevoll aussuchen, verpacken und voller Vorfreude auf die überraschten Gesichter verstecken.
Das ist wirklich ein schönes Ritual und eigentlich liebe ich es, jemandem etwas Schönes zu schenken. Allerdings finde ich es immer schwieriger nette Überraschungen zu finden. Es haben alle schon alles – oder?
Das schwierigste in allem Tun aber scheint es mir zu sein, mein Seelenstübchen zu entrümpeln. Es zu schaffen, dass inmitten meines Herzens ein Freiraum entsteht. Ein Raum der leer und geputzt ist, wo nichts anderes wohnt, als Stille und die Vorfreude, dass doch Gott bei mir einziehen möge. Wie ich das in dieser Adventszeit noch hinbekomme, das weiß ich noch nicht, aber die Sehnsucht danach, die spüre ich deutlich.
Und da bin ich wirklich froh, dass ich glauben kann, dass allein die Sehnsucht Gott schon genügt. Ich glaube fest, dass die Sehnsucht nach seiner Nähe für ihn schon Grund genug ist, zu mir zu kommen, egal wie die Stube aussieht, egal ob ein Festmahl gekocht ist oder ob Überraschungen bereit stehen.
Und diesen Gedanken finde ich wirklich perfekt und tröstlich, denn wenn er nur kommt, dann ist alles gut. Den Rest bekommen wir dann schon gemeinsam hin.

„Binde deinen Karren an einen Stern“, dazu ermutigte Leonardo da Vinci. Meine Sehnsucht mit dem Himmel verbinden, meinen alten Lebenskarren an ein kleines Hoffnungslicht knüpfen, das reicht, damit Weihnachten werden kann. Gaudete – freue Dich .

In diesem Sinne
wünsche ich eine schöne dritte Adventswoche
Ihre/Eure
Dorothea Hassels

Doro Hassels, Pastoralreferentin und Krankenhausseelsorgerin