Am kommenden Montag, 29. Juni, feiern wir das Hochfest Peter und Paul. Dieses Hochfest erinnert uns an die beiden Apostel Petrus und Paulus, die gegensätzlicher nicht sein konnten: Petrus, der einfache Fischer, der auch schon mal ein großes Wort führte und der Jesus im Stich ließ, als es auf ein klares Bekenntnis ankam.

Paulus ist so ganz anders als Petrus: der Intellektuelle, wie wir heute sagen würden; jemand, der Bekehrung erlebt hat und dessen Leben durch die Begegnung mit Jesus eine völlig neue Ausrichtung bekommen hat. Paulus wandelt sich vom Christenverfolger zum Christusbekenner und Christusverkündiger.

Im 1. und 2. Kapitel des Galaterbriefes beschreibt Paulus seine Konversion und seine Auseinandersetzung mit Petrus und mit der Gemeinde in Jerusalem, die bei den frühen Christen eine besondere Stellung hatte. Auf dem Apostelkonzil kommt es zum offenen Konflikt zwischen Petrus und Paulus, der dazu führt, dass sich die frühe Kirche in ihrem Verständnis und in ihrer Arbeit neu ausrichtet. Petrus und Paulus gehen für die Christusverkündigung jeweils eigene Wege und bleiben im Bekenntnis an den auferstandenen Christus dennoch miteinander verbunden.

„In der Krise zeigt sich der Charakter eines Menschen.“ – „In der Krise bewährt sich der Charakter eines Menschen.“ – Der wahre Kern dieser Aussagen wird in der aktuellen Krise aufgrund von Covid 19 für alle erlebbar, die es mit Menschen zu tun bekommen. Petrus und Paulus haben in ihrem Leben genug Krisen am eigenen Leib erfahren und in diesen Krisen gezeigt, wer sie sind und wofür sie stehen.

Das Apostelkonzil in Jerusalem, wie es Paulus im 2. Kapitel des Galaterbriefes beschreibt, ist ein Weg für die frühe Kirche, um eine für sie nicht ungefährliche Krisensituation zu klären: Wer sind wir als Christen? Wofür stehen wir? Welche Wege müssen wir gehen, damit auch Menschen in Zukunft die Botschaft Jesu erfahren und erleben können?

Diese Fragen bewegen uns auch heute in St. Marien, in der Kirche in Deutschland, in Europa und weltweit. Die Pandemie, die derzeit unser Leben bestimmt, verschärft die gegenwärtige Krise der Kirche in Deutschland und weltweit. Die Fragen der frühen Kirche sind auch für uns heute immer noch aktuell.

Wo sind heute Petrus und Paulus in unseren Gemeinden, in unserer Kirche, die um einen guten Weg ringen und denen es gelingt, Menschen für die Botschaft Jesu zu begeistern?

Petrus und Paulus stehen für eine Kirche, in der es möglich ist, verschiedene Wege zu gehen, um Menschen zu erreichen, ohne das Fundament dieser Kirche, die Botschaft Jesu, deshalb aufzugeben. Petrus und Paulus stehen für eine Kirche, in der Einheit in Verschiedenheit möglich ist.

Petrus und Paulus zeigen aber auch, dass Kirche nur dort lebendig sein kann, wo Menschen der Botschaft Jesu ein Gesicht geben und für diese Botschaft einstehen.