Bild: Sarah Gahbauer in Pfarrbriefservice.de

Wort in den Tag

31. März 2020

  1. Lesung Jesaja 43,1-3

Evangelium      Matthäusevangelium 21,1-17

 

Gebet:

Beim aufgehenden Morgenlicht

Preisen wir dich, Herr;

denn du bist der Erlöser

der ganzen Schöpfung.

 

Schenk uns in deiner Barmherzigkeit einen guten Tag,

erfüllt mit deinem Frieden.

Lass unsere Hoffnung nicht scheitern.

Verbirg dich nicht vor uns.

 

In deiner sorgenden Liebe trägst du uns;

lass nicht ab von uns.

Du allein kennst unsere Schwäche.

O Gott, verlass uns nicht.

(GL 11,2)

 

 

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Wie geht es Ihnen? Haben Sie inzwischen den Garten auf Vordermann gebracht, das Haus durchrenoviert, den Hausputz erledigt, die Fahrräder repariert und geputzt und das Auto auf österlichen Hochglanz poliert? – Eigentlich sind das in diesem Jahr völlig überflüssige Dinge. – Oder wie manche auch sagen: „Das wird völlig überbewertet!“ – Schließlich kommt in diesem Jahr niemand, dem man das alles zeigen könnte und der sich davon überzeugen könnte, dass bei uns scheinbar alles in Ordnung ist. – Und was machen Sie jetzt, wo Sie vielleicht das alles bereits erledigt haben?

Menschen, die in Rente gehen, und die noch nicht so recht wissen, wie sie damit umgehen wollen, sagen manchmal: „Ich habe einen großen Garten. Im Haus gibt es so viel zu tun und es ist so viel liegen geblieben!“ – Und wenn das alles irgendwann erledigt ist, der letzte Grashalm im Garten symmetrisch ausgerichtet ist, die letzten Rasenkanten mit der Nagelschere passend getrimmt worden sind und auch der Ehepartner endgültig die Nase voll hat, weil man meint, jetzt alles gemeinsam machen zu müssen? – Was dann?

Dann sind viele, wie wir umgangssprachlich sagen, von der Rolle. Von der Rolle sein, bedeutet, aus der Bahn geworfen zu sein. Das, was einem bisher Halt gegeben hat, was einem geholfen hat, die eigene Rolle zu finden, gilt nicht mehr und hilft nicht mehr. – Das muss man aushalten und durchhalten. Das kostet Kraft, Geduld, Frustrationstoleranz und ganz viel Kraft für alle, die mit diesem Menschen zusammen leben müssen, bis sich etwas für ihn gefunden hat, dass seinem eigenen Leben und seinem Alltag einen neuen Sinn und eine neue Struktur gibt.

Der Künstler Sebastian Osterhaus, der aus Ibbenbüren kommt und inzwischen seinen Lebens- und Arbeitsschwerpunkt in Ostbevern gefunden hat, hat eine druckgrafische Serie kreiert, die den Titel trägt: „Von der Rolle!“

Nachdem wir in Deutschland schon Papst und auch Fußballweltmeister waren, sind wir jetzt, wie er schreibt, Klopapier. – Wir sind Klopapier! – Na, da ist doch eine klare und deutliche Aussage, der ich mich – jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt – gerne anschließe! –

Wer einkaufen geht, wird Zeuge/Zeugin, dass wir in Deutschland derzeit Klopapier sind. Viele scheinen derzeit ihr Wesen und ihre Existenz über den Besitz von Klopapier zu definieren. Wer genug davon hat, stellt offenbar etwas dar und darf den Eventualitäten des Lebens entlassen entgegen sehen. Nicht Geld macht derzeit glücklich, sondern der Besitz von Klopapier. Klopapier regiert die Welt!

Vielleich können Sie sich an den Film „Papa ante Portas“ mit Loriot erinnern. Der Angestellte wird von heute auf morgen in Rente geschickt. Und da er es von Berufs wegen gewohnt war, in großen Mengen einzukaufen, um auf diese Weise möglichst günstige Preise für die Firma zu erzielen, kauft er jetzt für seine Familie Senf in großen Mengen ein. Eines Tages steht ein großer LKW mit Senf vor der Haustür und seine Frau bekommt einen Tobsuchtsanfall, weil sie mit der Menge an Senf nichts anzufangen weiß. Die entwaffnend ehrliche Entgegnung ihres Ehemannes ist der günstige Preis, den er pro Glas bezahlt hat. – Das klingt doch logisch, oder?

Und wer sich von der druckgrafischen Serie „Von der Rolle“ überzeugen will, findet dazu etwas unter: www.sebastian-osterhaus.com (Sollte der Link nicht funktionieren, dann bitte händisch eingeben!)– Sonst käme wohlmöglich noch jemand auf die Idee, ich würde irgendjemanden auf den Arm nehmen! – Wer mich kennt, der weiß, dass ich so etwas nie tun würde!

„Von der Rolle!“ – Es gibt nicht wenige Mitmenschen, die derzeit von der Rolle sind: Menschen, die mit ihren physischen und psychischen Kräften am Ende sind. – Unternehmer/Unternehmerinnen, die existenzielle Sorgen haben um ihr Unternehmen und um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nicht wissen, ob ihr Arbeitsplatz über die Krise hinaus erhalten bleibt. Auch wenn die Rettungsschirme gigantisch sind, die jetzt aufgespannt werden, wird anschließend viel Kreativität und Solidarität nötig sein, um den Menschen eine neue Perspektive zu ermöglichen, die alles verloren haben.

Ich nehme mich dabei selbst in die Pflicht, zu fragen, was auch ich dazu beitragen kann, damit solche Perspektiven möglich werden. Schließlich muss ich mir – zur Zeit jedenfalls – keine Existenzsorgen machen. Das Gehalt wird weiter gezahlt; das gilt auch für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Diözese, seien sie im Seelsorgedienst tätig oder Angestellte des Bistums und der Kirchengemeinden.

Ich kann daher gut nachvollziehen, wenn es Menschen gibt, die „von der Rolle sind“, weil ihnen das, was sie sich in ihrem Leben aufgebaut haben, wegzubrechen droht.

Ich kann gut verstehen, dass Menschen die aktuelle Nachrichtenlage nicht mehr ertragen können und deshalb nicht mehr hinschauen und hinhören.

Ich kann gut verstehen, wenn Menschen durchdrehen, weil menschliche Nähe, so wie sie vor wenigen Wochen noch selbstverständlich war, für sie nicht mehr erfahrbar ist.

Ich kann gut verstehen, dass Menschen an unserer Kirche zweifeln und sich von dieser Kirche verlassen fühlen. – Von einer Kirche, der sie ein Leben lang die Treue gehalten haben und die mit amtsdeutscher Gründlichkeit verkündet hat, was ab sofort alles verboten ist.

Ich glaube, dass auch Gott das alles gut verstehen kann! – Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel, die sog. Tempelreinigung (Mt 21,12-17) zeigt uns einen Jesus, der „von der Rolle ist“. – Wir mögen lieber den friedvollen und verständnisvollen Jesus. Hier begegnet uns ein Jesus, der dazwischen geht; dem es nicht egal ist, was Menschen aus dem Haus Gottes gemacht haben. Ob die Menschen ihm zugejubelt hätten bei seinem Einzug in Jerusalem, wenn sie gewusst hätten, was das für ihren so bekannten und gewohnten Alltag im Tempel und in ihrem Leben bedeutet? – Schließlich geht der Tempelreinigung der Einzug Jesu in Jerusalem unmittelbar voraus! (Mt 21,1-11)

Im Blick auf diese beiden Bibelstellen, Einzug Jesu in Jerusalem und Tempelreinigung (Mt 21,1-11) darf ich mich bei Gott gut aufgehoben wissen, wenn auch ich „von der Rolle bin“, besonders in diesen Tagen und Wochen. Er ist und bleibt mir und uns so nah, wie Menschen einander nicht nah sein können.

 

Irischer Segen :

Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

 

Der Herr sei neben dir,

um dich in die Arme zu schließen

und dich zu schützen vor Gefahren.

 

Der Herr sei hinter dir,

um dich zu bewahren

vor der Heimtücke des Bösen.

 

Der Herr sei unter dir,

um dich aufzufangen, wenn du fällst.

 

Der Herr sei in dir,

um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

 

Der Herr sei um dich herum,

um dich zu verteidigen,

wenn andere über dich herfallen.

 

Der Herr sei über dir,

um dich zu segnen.

(GL 13,2)

 

Hier finden Sie das Lied “Singen macht Spaß” 

Das Wort in den Tag können Sie sich hier als pdf runter laden und ausdrucken.