Dr. Hermann Opgen-Rhein, Diakon

 

Ein Boot, das von den Wellen hin- und hergeworfen wird. Mitten auf dem Meer. Und mitten in der Nacht. Ringsum nur Dunkelheit und Gefahr. Dieses Bild steht am Sonntag im Mittelpunkt des Evangeliums (Mt 14,22-33).

Bei uns im Krankenhaus empfindet mancher so sein Leben. Und nicht wenige sehen die Kirche in so einer Situation. Woher kommt Hilfe?

Das Evangelium berichtet, dass Jesus übers Wasser zu seinen Jüngern kommt. Er kommt genau daher, wo die Gefahr herkommt. Wo Wind und Wellen regieren. Wo es Nacht ist. So verkehrt herum fühlt sich das für die Jünger an, dass sie ihren Herrn und Meister nicht erkennen. Ein Gespenst! Dann das Wort Jesu: „Ich bin es. Fürchtet euch nicht!“ Hat es sie erreicht? Hat es sie getröstet, ihnen Mut gemacht?

Eigenartige Botschaft: Gott kommt zum Boot meines Lebens aus genau der Richtung, aus der ich Gefahr und Unheil erwarte. Wenn ich – wie die Jünger im Evangelium – nichts anderes tue, als mit allen Mittel mein Boot irgendwie über Wasser zu halten, dann erkenne ich ihn nicht, dann verpasse ich ihn. Ich muss nach draußen schauen. Der Gefahr ins Gesicht schauen. Meiner Angst zum Trotz. Von dort kommt Gott, dort zeigt sich ein Weg, dort wächst Hoffnung. Eigenartige Botschaft, kaum zu glauben, aber zugleich ungeheuer tröstlich und Mut machend: „Ich bin es. Fürchtet euch nicht!“

Solange die Kirche nichts anderes tut, als ihren Betrieb irgendwie am Laufen zu halten, solange lebt sie am rettenden Kommen Gottes vorbei. Wenn sie wirklich möchte, dass er zu ihr kommt, dann muss sie nach draußen schauen. Aufs Meer. Dorthin, wo scheinbar nur Unglaube und Gottlosigkeit herrschen, nur Ablehnung. Das macht Angst, keine Frage. Was wird aus unserem Boot? Aber genau von dort – und nur von dort – kommt auch die tröstliche, die rettende Stimme: „Ich bin es. Fürchtet euch nicht!“

Diakon Hermann Opgen-Rhein